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Auszug und Ergänzung zum Artikel der AIB: „“Find and kill the terrorist“ – Neonazi-Angriffe am 1. Mai in Prag“

[Den genzen Artikel dazu könnt ihr hier lesen: https://antifainfoblatt.de/aib/find-and-kill-terrorist-neonazi-angriffe-am-1-mai-prag]

Die Wiener Connection

Im März 2025 in Olomouc, wie auch am 1. Mai 2026 in Prag, fiel eine Person ins Auge: Bernhard Burian Er gehört in Österreich der extrem rechten Gruppe „Tanzbrigade Wien“ an, die ideologisch von Alt-Neonazis wie Gottfried Küssel geschult wurden. „Nationalisten mit Wiener Beteiligung schauen nach AFA“ kommentiert die Gruppe ein Bild auf ihrem Social Media-Kanal, das eine Gruppe Neonazis am 1. Mai im Prager Stadtteil Smichov zeigt. Ein paar Tage später veröffentlicht auch die „Division Wien“ – der Nachwuchs der „Tanzbrigade Wien“ – eine Collage mit Gruppen-Bildern aus Prag. Ein Bild ist besonders pikant: es zeigt eine Aufstellung teils vermummter Neonazis am Aufgang zur Vyšehrad-Brücke, dort wo in der Nacht des 1. Mai bekanntermaßen ein Antifaschist von Neonazis schwer verletzt wurde.

Um die zehn Neonazis aus Österreich beteiligten sich an den Aktionen in Prag. Nach der Teilnahme an der Kundgebung vor dem „Eternia“ fand sich die Gruppe in einer nahen Kneipe ein. Ein Bild aus den sozialen Netzwerken zeigt u.a. Bernhard Burian in Selfie-Pose mit dem tschechischen Neonazi Vlastimil Pechanec. Auf dem Bild auch zu sehen sind u.a. Markus Kral im Rollstuhl und Felix „Whitey“, der über Kontakt ins alte Wiener „Blood & Honour“-Milieu verfügt.     

Die gute Verbindung der österreichischen Szene nach Tschechien ist nicht neu. Besonders zur extrem rechten Hooliganszene bestehen enge Kontakte. So eng, dass die Österreicher mittlerweile mit einem eigenen Banner („Wien on Tour“) bei den Spielen von AC Sparta Präsenz zeigen dürfen. Bernhard Burian und u.a. sein Wiener Kamerad Noah Gavric sollen sogar für die Hooligangruppe „Prague Boys“ an Ackerkämpfen teilnehmen. „So oft SH wie heute, ich glaub das hab ich noch nicht einmal auf RAC-Konzerten gehört“, resümiert der Braunschweiger Neonazi Johannes Welge einen Ausflug mit Bernhard B. Ende Mai 2024 zu einem Spiel von AC Sparta in Prag. „SH“ ist die Abkürzung für „Sieg Heil“, „RAC“ steht für „Rock Against Communism“, eine szene-eigene Bezeichnung neonazistischer Musik.

Die Anhänger der „Tanzbrigade Wien“, wie dessen Nachwuchs „Division Wien“, knüpfen an die Tradition der Wiener Neonazi-Szene an, sich auch in Richtung Osteuropa zu orientieren. Einflussreiche Personen aus den alten Strukturen um „Alpen-Donau Info“, etwa Paul Blang und der im Mai 2025 verstorbene Thomas Cibulka, besuchten regelmäßig Fußballspiele befreundeter Fangruppen in der Slowakei. Ihr politischer Ziehvater Gottfried Küssel unterhielt bereits in den 1990er gute Kontakte zur Neonazi-Szene in Tschechien, Ungarn und in der Slowakei.

Ihre Zugehörigkeit zur Hooliganszene präsentierten Paul Blang und Thomas Cibulka freizügig im tschechischen Brno im Juni 2022, als dort u.a. die deutsche RechstRock-Kultband „Endstufe“ spielte. Ihren Shirts entledigt kamen dort entsprechende Tattoos zum Vorschein, u.a. eines mit dem Schriftzug von „Eisern Wien“ auf der Brust von Paul Blang.