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Wer ist Lothar Höbelt?

Verbindungen zur extremen Rechten & antifaschistische Proteste 2019/2020

Der pensionierte außerordentliche Profesoor für Neuere Geschichte Lothar Höbelt beschränkt seine politische Tätigkeit nicht auf das Verfassen freiheitlicher Programmschriften und Parteigeschichten. wie im FPÖ-Historikerbericht, dem er ganze 77 Seiten beisteuern durfte. Er bewegt sich seit Jahren vielmehr im engen Raum zwischen FPÖ und NS-Verbotsgesetz. So publizierte er in der mittlerweile nicht mehr existenten FPÖ-nahen Zeitschrift „Aula“, deren Schriftleiter 1995 wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verurteikt wurde und die noch im Jahr 2015 KZ-Überlebende als „Landplage“ bezeichnete.

Auch die Festschrift des verurteiulten Holocaustleugners David Irving, ein Sammelband unter dem Titel „Wagnis Wahrheit“, spendete Lothar Höbelt einen Aufsatz. Erschienen ist der Band im rechstextremen „Arndt-Verlag“, dem sogar der deutsche Verfassungsschutz attestierte, sein Verlagsprogramm bestehe aus Büchern, „in denen die deutsche Kriegsschuld geleugnet und die nationalsozialistsichen Verbrechen relativiert werden“.

Doch nicht nur publizistisch scheint Höbelt kein Problem mit der extremen Rechten und notorischen Antisemiten zu haben. So hielt er beim 150. Stiftungsfest, der an der Grenze des Neonazismus angesiedelten Münchner Burschenschaft Danubia, den Festvortrag. Ebenso trat er beim Verein „Dichterstein Offenhausen“ als Redner in Erscheinung, welcher wenig später wegen Verstößen gegen das NS-Verbotsgesetz behördlich aufgelöst wurde.

Während hierzulande Höbelts politische Betätigung im organisierten Rechtsextremismus die Universitätsbehörden und auch den Großteil seiner Kolleg*innen kaum zu interessieren scheint, zog sich der Historiker international wiederholt fachliche Kritik zu. So kam es im September 1992 im Rahmen eines Seminars am Germanistikinstitut der Londoner Universität zum Eklat, nachdem Höbelt dort die Österreicher*innen zu „ethnischen Deutschen“ erklärte. Der britische Historiker Robert Knight meinte dazu: „Hinter der Behauptung, Österreich sei ein Teil der deutschen NAtion, steckt das ideologsiche Bekenntnis zum Nationalsozialismus.“

Antifaschistische Gegenproteste

Bereits Ende 2019/Anfang 2020 kam es zu Protesten gegen den rechtsextremen und FPÖ-nahen Professor Lothar Höbelt und die offensive Präsenz Rechtsextremer bei seinen Vorlesungen. Seit der zweiten Protestaktion in der Vorlesung am 03.12.2019 hatten deutschnationale Korporierte, Mitglieder der „Identitären“ sowie weitere Rechtsextreme die Vorlesung – teilweise in Couleur – besucht und sich als Saalschutz inszeniert.

Den Höhepunkt der Gegenproteste stellte eine Demonstration am 14.01.2020 dar, welche das Ziel hatte den Hörsaal 50 zu blockieren und so die Vorlesung des Professors Höbelt zu unterbinden. Dieses Vorhaben konnte umgesetzt werden – die Universität erklärte etwa eine halbe Stunde nach dem geplanten Lehrveranstaltungsbeginn deren Absage.

Jene organisierten Rechtsextremen, die zum Saaalschutz, zur „Rückeroberung der Universität“, aufgerufen hatten, zogen statt zum Hörsaal zum Büro der Österreichischen Hochschüler*innenschaft am Campus der Universität Wien, wo sie für ein Foto unter einem Banner mit der Aufschrift „Linksextreme raus aus der Uni“ vor deren Tür posierten, Parolen schriben und alsbald wieder abzogen.

Dass Höbelt seine Unterstützung bei deutschnationalen Burschenschaftern, „Identitären“ und der FPÖ findet, ist keineswegs verwunderlich, teilen sie doch dieselbe deutsch-völkische Ideologie, die kennzeichnend für den Nationalsozialismus war.

Es sind darüber hinaus Burschenschafter, die sich einander in ritualisierter Form die Wangen (und oft mehr) zersäbeln; die sich in strenge Hierarchien einpassen und entlang dieser einander solange demütigen, bis keiner mehr Autorität in Frage stellt; die immer wieder Neonazis Zuflucht bieten oder gleich selber welche sind; die NS-Kriegsverbrechern als ihre „Bundesbrüder“, „Alte Herren“ und „gefallenen Helden“ gedenken; die exklusive männliche Herrschaft an den Unis in schweißig-bierdunstigem Kreis fortleben lassen.

Am 23.01. um 19 Uhr veranstaltet der extrem rechte „Ares Verlag“ ein Vernetzungstreffen mit dem rechtsextremen und FPÖ-nahen Historiker Lothar Höbelt im Ferdinandihof (Wehrgasse 30) im 5. Bezirk. Zeigen wir ihnen deshalb, dass irh menschenverachtendes Gedankengut weder damals, noch heute in Wien etwas verloren hat! Diese Ideologien zu bekämpfen heißt, nicht mit diesen in Dialog zu treten, oder sie zu ignorieren, sondern sich ihnen bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Weg zu stellen.