Kategorien
General

Rekonstruktion der Geschehnisse vom 21.02.2025

In diesem Beitrag versuchen wir die Geschehnisse vom 21.02.2025 nachzuzeichnen.
An diesem Tag kam es im zweiten Bezirk an der U-Bahn Station Nestroyplatz zu einem brutalen Angriff von Neonazis auf eine Geburtstagsfeier.

Die beiden Mittdreißiger Tomas F. und Alexander U. (Namen von ZeitOnline geändert) wollen um ca. 23 Uhr mit einer etwa 15-köpfigen Gruppe nach einer Geburtstagsfeier im 2. Bezirk noch etwas trinken gehen. Dabei zerstreut sich die Gruppe zeitweise.

Tomas F. steht mit einem Freund beim U-Bahn Abgang Nestroyplatz. Auf der anderen Straßenseite sehen sie etwa 12 junge, schwarz gekleidete Männer. Sie tragen Marken wie Pitbull oder Lonsdale, die Alexander U. als „Hooligan-Style“ einordnet. Einer der Männer trägt eine Bomberjacke mit Österreich-Flagge. Die Hälfte von ihnen ist vermummt.

Dann geht alles sehr schnell.
Mindestens drei Personen aus der Gruppe stehen Tomas F. plötzlich aggressiv gegenüber. Sie beschimpfen ihn und seinen Freund als „Scheiß Antifa“, fragen ob sie „Zecken“ sind. Tomas F. verneint und wird trotzdem zu Boden geschlagen. Vier oder fünf der Angreifer treten gleichzeitig auf ihn ein. In die Rippen. Gegen den Rücken. Auch gegen den Kopf. 3 weitere Personen aus der Geburtstagsrunde werden nach demselben Muster attackiert.

Tomas F. landet wegen den Schlägen und Tritten im Krankenhaus. Er hat vier Prellungen. An den Rippen, der Hand, blaue Flecken im Gesicht, Nasenbluten. Die ersten Tage danach sei er „wirklich schwer schockiert“ gewesen.

Wir sind solidarisch mit allen Betroffenen rechter Gewalt. Solche Neonazi-Übergriffe finden in Wien mittlerweile fast regelmäßig statt. Sie stehen im Zusammenhang mit der erstarkten politischen Rechten seit dem Wahlerfolg der FPÖ im Herbst 2024.

Kontext der Gewalt: „Identitäre“, FPÖ, Küssel

Am Tag des brutalen Neonazi Angriffs hatte zuvor eine Demonstration der „Identitären“ in der Wiener Innenstadt stattgefunden. Diese wurde als „Trauermarsch“ für das Opfer des islamistischen Terroranschlags in Villach sechs Tage zuvor inszeniert. Tatsächlich zeigte der Neonazi-Aufmarsch die Instrumentalisierung einer schrecklichen Gewalttat für die Verbreitung von Rassismus. Wir haben bereits in einem vorherigen Beitrag auf die hohe Beteiligung aus der Neonaziszene an der Demonstration hingewiesen.

Laut dem Artikel von ZeitOnline sind Tomas F. und Alexander U. davon überzeugt, auf den Fotos der Demonstration einige der Täter vom Abend am Nestroyplatz erkennen zu können.

Im Anschluss an die Demonstration der „Identitären“ vom 21.02. ging eine größere Gruppe Neonazis in den zweiten Bezirk weiter, um dort in einer Immobilie, in der die Neonazis Gottfried und Karin Küssel sowie Felix Budin Wohnungen besitzen, zu feiern. In der Unteren Donaustraße 39 / Lichtenauergasse 4 befinden sich die Wohnungen dieser Neonazis sowie eine Art Lokal, das von der Wiener Neonazi-Szene für interne Feiern genutzt wird. Antifaschist*innen konnten beobachten wie Neonazis dort – teils vermummt – einkehrten. Ein Bildabgleich belegt, dass es sich um die selben Neonazis handelt, die zuvor die genannte Demonstration besuchten.

Später kam es am Nestroyplatz, also in unmittelbarer Nähe der Unteren Donaustraße 39 / Lichtenauergasse 4 zu dem oben beschriebenen Angriff. Wir sind uns sicher: Bei den Tätern handelt es sich um die selben Neonazis, die zuvor mit FPÖ-Politikern und „Identitären“ durch die Innenstadt marschierten und um die selben, die später bei Gottfried Küssel feierten.

Die Intensität der Gewalt, die später an diesem Abend ausgeübt wurde, ist genauso erschreckend wie die Beliebigkeit der Auswahl der Angegriffenen. Der Angriff reiht sich in die derzeit immer länger werdende Liste neonazistischer Übergriffe in Wien ein. Dabei fällt auf, dass der zweite Bezirk nicht das erste Mal Ort eines solchen Übergriffs wurde. Ein Ort von dem diese Übergriffe personell und ideologisch ausgehen ist das Wohnhaus der Küssels und Budins als wichtiger Treffpunkt der Wiener Neonazi-Szene. Dabei ist besonders brisant, dass das Wohnhaus sich im Herzen eines jüdisch geprägten Grätzls befindet. Laut Eigenaussagen wollen die Küssels mit ihrer dortigen Niederlassung zeigen, dass sie ihren Antisemitismus überall ausleben können und ihre Vernichtungsfantasien gegenüber Jüdinnen und Juden direkt in deren Umfeld austragen können.

Deshalb ist es umso wichtiger, uns als Antifaschist*innen zu vernetzen und gemeinsam gegen den erneut erstarkenden Faschismus auf die Straße zu gehen. Wir dürfen die Angriffe von rechts, die unter anderem queerfeindlich, rassistisch, antisemitisch motiviert sind, nicht unkommentiert geschehen lassen. Wir müssen die neonazistischen Kräfte im Bezirk und überall aktiv bekämpfen und ihnen entgegenstehen. Eine gemeinsame Gegenoffensive ist umso stärker, wenn wir viele sind. Also kommt am Donnerstag den 17.04. um 18:30 Uhr zum Nestroyplatz mit uns zu einer Demonstration durch den 2. Bezirk! Wir wollen die Nazis daran erinnern, dass für sie hier kein Platz ist!

Nazizentren dichtmachen! Nazis raus aus dem Zweiten! Küssel enteignen!