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Hunderte Antifaschist*innen gegen Burschenschaften

Gestern versammelten wir uns mit hunderten Antifaschist*innen vor der Uni Wien, um gegen völkische, deutschnationale & rechtsextreme Burschenschaften auf die Straße zu gehen. Die Uni Wien stellt dabei bewusst die erste Station der Demonstration dar, hier treffen sich jeden Mittwoch eben jene Burschen gegen die wir heute Demonstrieren, hier vertreten sie im laufenden Universitätsbetrieb ihr rechtsextremes Weltbild. Auf der selben Uni-Rampe, auf der Burschenschafter schon Jüdinnen*Juden aus der Uni prügelten. Eigentlich unglaublich, dass dieses wöchentliche Event stattfinden kann. Die Uni Wien nimmt sich einmal mehr aus der Verantwortung – Studierende, die von der Ideologie der Rechtsextremen bedroht werden, stehen allein da.

Umso mehr hat es uns gefreut, dass die Demonstration dann gleich mit einer unerwarteten Aktion startete, einige Antifaschist*innen – vielleicht Studierende, die genug haben von dem grausigen wöchentlichen Aufmärschen – befestigten ein Transparent am Dach der Uni:

„Nazis jagen! Burschis boxen! Staat zerschlagen!“

Danach ging es für die Demonstration weiter in den 8. Bezirk. Hier sind haufenweise deutschnationale Burschenschaften beheimatet, der Bezirk hat ein über Jahre gewachsenes Rechtsextremismusproblem. Als erstes ging es an einem Objekt des Ring Freiheitlicher Studenten vorbei. Der RFS steht der FPÖ nahe, ebenso wie die Partei wurde auch der Verband von einem Rechtsextremen gegründet: Norbert Burger. Auch der Mörder Ernst Kirchwegers, der Neonazi Günther Kümel, war im RFS organisiert. Als in den 1960er Jahren Studierende gegen einen rechtsextremen Universitätsprofessor protestierten, erschlug Kümel den Antifaschisten und Kommunisten Ernst Kirchweger, dieser erlag nach zwei Tagen seinen Verletzungen. Kümel war nicht nur im RFS, er war auch Burschenschafter. Und auch damals waren es die Studierenden, nicht das Rektorat, die auf die rechtsextremen Kontinuitäten an der Uni Wien hinwiesen.

Danach wurde die Demonstration bereits ein erstes Mal gestoppt. Die Polizei zeigte an diesem Tag ihr hässliches, repressives Gesicht. Nach einer kurzen Zwangspause durch die Cops ging es dann aber vorbei an der Burschenschaft Gothia. Die Gothia liebäugelt mit dem internationalen Rechtsextremismus, lud beispielsweise in Kooperation mit dem RFS einen Kader der deutschen, neonazistischen Partei NPD zu einem Vortrag ein.

Nach einem Zwischenstopp bei der Burschenschaft Moldavia in der Fuhrmannsgasse 18 stoppte die Polizei dann die Demostration endgültig. Scheinbar ist ein bisschen Pyrotechnik gegen ein Haus in Österreich ein größeres Problem als die Faschisten, die darin sitzen. Bei dem Objekt in der Fuhrmannsgasse handelt es sich auch um einen beliebten Veranstaltungsort der Faschisten der sogenannten „Identitären“, die sich gestern nicht mal ans Fenster trauten. Wir sagen: gut so, wenn die Angst die Seiten wechselt!

Es bleibt dabei: eins drei eins zwei.

Wir sind als Antifaschist*innen gewohnt, von der Polizei keine Hilfe im Kampf gegen Rechtsextremismus erwarten zu dürfen, sondern nur Stöcke zwischen die Beine geschmissen zu bekommen. Kein Wunder: die Polizei ist ja selbst Teil des Problems, jede*r weiß um die Weltbilder von Polizist*innen, um die Affinität der Schlägertrupps in Blau zur gleichfarbigen, rechtsextremen Partei. Wir wurden gestern mit hunderten engagierten, jungen wie alten Antifaschist*innen über längere Zeit im Polizeikessel festgehalten – einige Genoss*innen haben auch durch Pfefferspray und Schläge massive Polizeigewalt erfahren – doch wir lassen uns von so einer Scheiße nicht einschüchtern. Die Polizei geht damit einen weiteren Schritt in Richtung der Kriminalisierung von Antifaschist*innen, einen weiteren Schritt in Richtung repressivem Polizeistaat.

Wir werden weiter gegen alle Faschist*innen, Neonazis, rechtsextreme Burschenschaften auf die Straße gehen. Der Staat hilft uns nicht, er kriminalisiert uns nur. Statt Menschen vor den Faschist*innen zu schützen, schützt die Polizei nur die Faschist*innen vor denen, die sich gegen sie wehren. Deshalb – es bleibt dabei – eins drei eins zwei.

Wir sehen uns heute Abend auf der Straße:
24.02.2023, 18 Uhr: Linksradikaler Frontblock auf der OGR-Demo