Kundgebung in Gedenken an Ernst Kirchweger
Do, 02.04.2026 | 18 Uhr | Oper
Antifaschistische Rad-Demo
Sa, 18.04.2026 | 15 Uhr | Christian-Broda-Platz
Am 02.04.2026 jährt sich der Tod des Antifaschisten Ernst Kirchweger zum einundsechzigsten Mal.
Am 02.04.1965 starb der Wiener Antifaschist und Kommunist Ernst Kirchweger. Er wurde wenige Tage zuvor bei einer antifaschistischen Demonstration von einem Neonazi mit einem Faustschlag zu Boden gebracht und verstarb an seinen Verletzungen. Ernst Kirchweger gilt damit als erstes Todesopfer rechter Gewalt in Österreich nach 1945.
Kirchweger starb im Alter von 67 Jahren, nach einem bewegten Leben. Bereits mit 20 Jahren war er 1918 als Soldat am Marineaufstand in Cattaro beteiligt. Ab 1925 war er bei den städtischen Straßenbahnen angestellt. Zu dieser Zeit war er in der sozialdemokratischen Bewegung aktiv, von der er sich allerdings abwandte. 1934 trat er in die damals illegale Kommunistische Partei ein, bei der er bis zu seinem Tod Mitglied blieb. In den Jahren des Austrofaschismus engagierte er sich in der illegalen Gewerkschaftbewegung als Obmann der Fachgruppe der Straßenbahner.
Auch während des Nationalsozialismus blieb Ernst Kirchweger illegal politisch aktiv. Er stellte seine Wohnung für konspirative Treffen zur Verfügung, dort wurden ausländische Radiosender gehört und Hilfe für Opfer und Verfolgte des NS-Terrors organisiert. Die Wiener Gestapo kategorisierte Kirchweger als „politisch nicht einwandfrei“. Nach 1945 setzte er sein kommunistisches Engagement fort, vor allem auf Bezirksebene in Wien-Favoriten. Bis an sein Lebensende war Kirchweger auch als überzeugter Antifaschist aktiv. Auf einer Demonstration der österreichischen Widerstandsbewegung und eines antifaschistischen Studierendenkomitees gegen den antisemitischen Hochschulprofessor Taras Borodajkewycz wurde Kirchweger vom bis heute aktiven Neonazi und RFS-Mitglied Günther Kümel verletzt und starb kurz darauf an den Folgen dieser Verletzungen.
In Wien wird an mehreren Orten an Ernst Kirchweger gedacht: Am Zentralfriedhof steht ein Ehrengrab, das vom Wiener KZ-Verband gepflegt wird. In Wien-Favoriten ist ein Gemeindebau nach Ernst Kirchweger benannt, ebenso wie das autonome Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) in der Wielandgasse. Vor dem Hotel Sacher, am Ort des Angriffs auf Kirchweger, erinnert außerdem ein „Stein der Erinnerung“ (Stolperstein) an sein Leben.
Wir wollen am Donnerstag, 02.04.2026 gemeinsam mit einer Kundgebung an Ernst Kirchweger erinnern und ihm gedenken.
Vor Ort wird es mehrere Redebeiträge geben. Anschließend legen wir Blumen und Kerzen am „Stein der Erinnerung“ vor dem Hotel Sacher nieder.
Antifaschistische Rad-Demo
Das Gedenken an Ernst Kirchweger, an sein Leben und seinen Tod, bedeutet für uns auch Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen.
Als Antifaschist*innen schließen wir aus der Beschäftigung mit den Geschichten der Opfer, in denen wir die Strukturen rechter Gewalt erkennen, die Notwendigkeit unseres Kampfes gegen Rechts in der Gegenwart. Dieser Kampf hat viele Seiten, alle sind eine Form des ins Handeln Kommens: Er beinhaltet Recherchearbeit, Organisation von Demonstrationen und Kundgebungen, die Teilnahme an ihnen, ihre Dokumentation, Schreiben von Nachberichten, Diskussionstexten, genauso wie Gedenkarbeit, Solidaritätsarbeit im Kontext von Repression und viel unsichtbare Carearbeit, um nur einige Beispiele zu nennen.
Am 18.04.2026 wollen wir mit einer Rad-Demo durch Wien nach unseren ortsansässigen Rechten schauen:
In welchen Kellerlöchern und Altbau-Buden verstecken sich die Nazis von heute? Welche Kontinuitäten gibt es zwischen der historischen rechten Gewalt zum Hier und Jetzt?
Denn grundlegend für Anti-Nazi-Arbeit ist schließlich auch die Kenntnis der Strukturen und Vernetzungsorte der Faschist*innen. Aus rechtsextremer Gewalt lernen wir, den Tätern niemals zu vergeben und die Opfer niemals zu vergessen, ihre Geschichten sichtbar zu machen und Angehörigen und Überlebenden Gehör zu schenken.
Wir rufen alle Antifaschist*innen auf, mit uns gemeinsam den Nazis einen Besuch abzustatten und die Anrainer*innen über ihre braunen Nachbarn zu informieren.
Kommt deshalb erst am 02.04. mit uns gedenken und schwingt euch am 18.04. aufs Fahrrad. Erinnern heißt Kämpfen, auch und besonders im Jetzt!
![Gruppe für organisierten Antifaschismus [wien]](https://gfoa.noblogs.org/files/2023/01/cropped-logo_schwarz_web.png)