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Stoppt die Gewalt an obdachlosen Menschen!

Kundgebung
Do, 24.08.2023 | 17:00 Uhr | Mariahilfer Straße / Ecke Neubaugasse
In den vergangenen Wochen ereignete sich eine Serie an Gewalttaten gegen obdachlose Menschen in Wien. Ein 55-jähriger Mann, das dritte Opfer eines mutmaßlichen Serientäters, ist in der Nacht auf Montag im Spital an seinen schweren Verletzungen verstorben. Der Mann war wenige Tage zuvor beim Hernalser Gürtel mit schweren Schnitt- und Stichverletzungen gefunden worden.
Drei Angriffe hat es in den letzten Wochen auf Obdachlose gegeben. Zuvor wurde am 12. Juli um 7:40 Uhr am Handelskai in Brigittenau ein 56-jähriger Mann aus Ungarn mit tödlichen Stich- und Schnittverletzungen aufgefunden. Zehn Tage später, am 22. Juli, wurde eine 51-jährige Frau aus der Slowakei gegen 3:40 Uhr in Wien-Leopoldstadt durch Stich- und Schnittverletzungen schwer verletzt, sie überlebte. Die Polizei geht von einem*r Serientäter*in aus. Ein rassistisches Tatmotiv kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, wie Roma-Blog in Kritik an der medialen Berichterstattung richtigerweise feststellt.
Obdachlose sind Personen, die im öffentlichen Raum sichtbar sind und damit leicht angreifbar. In der Vergangenheit gab es immer wieder Übergriffe auf obdachlose Menschen, von den Nazis wurden Obdachlose als sogenannte „Asoziale“ oder „Arbeitsscheue“ verfolgt und ermordet, und auch heute noch werden auf der Straße lebende Menschen regelmäßig das Ziel von (rechter) Gewalt. Obdachlose Menschen werden bespuckt und beschimpft, ihre Schlafplätze werden angezündet, sie werden Opfer von Raubüberfällen oder Messerattacken. Viele der Taten bleiben straffrei. Klar ist, dass die Dunkelziffer an Übergriffen sehr hoch ist, weil über viele Gewalttaten nicht berichtet wird.
Die Präsenz von obdachlosen Personen im öffentlichen Raum widerspricht den Ordnungsvorstellungen vieler Menschen. Hier artikuliert sich ein Hass auf Arme, ein tief sitzendes Ressentiment, das vielfach zusammen mit anderen autoritären Vorstellungen und menschenverachtenden Ideologien auftritt. Körperliche Übergriffe auf Schlafende bilden aber nur die Spitze des Eisbergs an einer systemisch angelegten Gewalt gegen jene, die ihren Wohnraum verlieren und deshalb auf der Straße schlafen müssen. Kann der Verlust des Wohnraums alleine schon als Gewalt beschrieben werden, sind Obdachlose häufiges Ziel polizeilicher Schikanen und von Polizeigewalt. Im Winter und im Sommer gibt es immer wieder Todesfälle aufgrund der Kälte und Hitze, denen obdachlose Menschen schutzlos ausgeliefert sind.
Trotz der Zunahme an Menschen, die aufgrund der Teuerung, steigender Mieten oder anderen Gründen ihre Wohnung verlieren, gibt es viel zu wenig Schutzräume, die zur Verfügung gestellt werden. Sogar nach den letzten Messerangriffen weigerte sich die Stadt anfangs, zusätzliche Schlafplätze einzurichten. Seit Jahren verweisen die Initiative Sommerpaket und andere Einrichtungen auf diese Missstände und fordern die ganzjährige Öffnung der Notquartiere.
Solange Wohnen und all unsere anderen Grundbedürfnisse im Kapitalismus eine Ware sind, wird es nie sicheren Wohnraum für alle geben. Um Wohnungslosigkeit zu überwinden müssen wir also die kapitalistischen Verhältnisse überwinden, die diese erst hervorbringen. Denn es ist genug Wohnraum für alle da, das zeigen alleine die tausenden leerstehenden Wohnungen in Wien.
Akut braucht es jetzt die Öffung von Notquartieren, um allen Menschen zumindest das Angebot eines Schlafplatzes zur Verfügung stellen zu können.
Sicherer Wohnraum für alle! Stoppt die Gewalt gegen obdachlose Menschen!